Zoff trotz positiver Bilanz – Levy contra Verband

Aug 10, 2012 0 Kommentare von

Ein versöhnlicher Abschluß sieht anders aus. Bundestrainer Detlef Uibel und der zweifache Medaillengewinner Maximilian Levy zogen eine positive sportliche Bilanz der Bahn-Wettbewerbe – aber auch vom Leder gegen die Funktionäre und Verbandspräsident Rudolf Scharping. «Glückwünsche von der Verbandspitze sind bisher ausgeblieben. Ich glaube, da kommt per Post in den nächsten Tagen eine Urkunde mit ‚Herzlichen Glückwunsch und so weiter‘. Ist ja klar, wo die dann landet», sagte Levy im Deutschen Haus in den Londoner Docklands der Nachrichtenagentur dpa.

Der Verband konterte prompt: Alles sei irgendwie nur ein Mißverständnis, der «großen Hektik» geschuldet. Scharping hätte nach dem Wettkampf mit Sportdirektor Patrick Moster telefoniert und selbstverständlich Glückwünsche an die Athleten ausgerichtet. Danach hätte der ehemalige Verteidigungsminister eine sms an Bundestrainer Detlef Uibel geschickt, hieß es in einer Pressemitteilung des Verbandes.

«In der ganzen Hektik nach der Siegerehrung ist das nicht bei Maximilian Levy angekommen», versicherte Moster. «Die jahrelangen Erfolge unserer Athletinnen und Athleten auf der Bahn sind eine wichtige Säule unserer Verbandsarbeit», ließ Scharping ausrichten. «Wir sind stolz auf das, was unsere Athletinnen und Athleten in London geleistet haben.»

Am Vorabend hatte auch Uibel Kritik geäußert und vor dem Hintergrund der erfolgreichen Briten zentrale Strukturen in der Leistungssteuerung in Deutschland gefordert. Levy rechnete vor, die Briten hätten in den letzten vier Jahren, um sich für ihr Heimspiel fit zu machen, «rund 34 Millionen Euro zur Verfügung» gehabt. Der BDR-Etat belief sich verglichen damit auf einen kleinen Bruchteil. «Von der Förderung sind wir hoffnungslos unterlegen», sagte Levy.

Uibel ist vom Verband enttäuscht. «Konzepte, die ich vorgelegt habe, sind einfach in der Schublade verschwunden. 2008 war kein Landesverband fähig oder willig, über meine Vorschläge nachzudenken. Auch der BDR hat relativ wenig getan» schimpfte der Brandenburger. «Es reicht nicht, nur Geld hin- und herzuschieben. Es muss prinzipiell über das System nachgedacht werden, und wir Trainer müssen mehr einbezogen werden, gerade bei strukturellen Entscheidungen», sagte Uibel der «Lausitzer Rundschau».

Scharping, am Anfang der Spiele kurz in London, hätte Levy nicht «einmal gesehen oder gesprochen», sagte der Bronzemedaillengewinner im Teamsprint und Olympia-Zweite im Keirin. Der 25-jährige Betriebswirt aus Cottbus hatte die sehenswerte Olympia-Bilanz der deutschen Bahnfahrer, die mit Gold im Teamsprint durch Miriam Welte und Kristina Vogel einen Traumstart erwischt hatten, quasi gerettet.

Levys großer Kampf im abschließenden Keirin-Wettbewerb gegen den Überflieger und jetzt sechsfachen Olympiasieger Sir Chris Hoy wird in Erinnerung bleiben. «Er ist jetzt weg – die Zukunft gehört dir», flüsterte Stefan Nimke seinem Teamkollegen vor der Siegerehrung ins Ohr. Hoy, den die Queen vor drei Jahren zum Ritter geschlagen hatte, bestritt sein letztes Olympiarennen und überlegt, ob er noch maximal bis zu den Commonwealth-Games in Glasgow 2014 weiterfährt..

Von der Prominenz der Radsport-Ikone Hoy, die in London von vielen Plakatwänden in Überlebensgröße lächelt, ist Levy («Ich muss jetzt nach Hause, meinen Rasen mähen») weit entfernt. «Wir sind es gewohnt, dass wir vielleicht mal bei Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen kurz im Fokus stehen. Danach kennt uns keiner mehr. Erfolge werden nicht entsprechend gewürdigt. In Deutschland geht’s im Sport nur um Fußball und Formel 1», sagte Levy, der sportlich an der Ausbeute von London nichts auszusetzen hatte.

Der BDR übertraf seine magere Bilanz von Peking mit je einmal Silber und Bronze. Hinzu kommen die beiden Zeitfahr-Silbermedaillen auf der Straße durch Tony Martin und Judith Arndt. Und noch stehen zwei Radsport-Disziplinen aus, BMX und Mountainbike. Im Londoner Velodrom wurden je eine Gold-, Silber- und Bronzemedaille gesammelt. «Im Mountainbike rechnen wir uns noch etwas aus», sagte Moster.

 

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