Mountainbiken im Alltag und im Winter

Nov 20, 2012 0 Kommentare von

Verschlusssache
Die Firma KED dachte: Wir bauen so gute Helme, da wäre es doch schade, wenn jemandem so ein guter Helm gestohlen wird. Also haben sie ein kleines Helmschloss entwickelt und das gibt es gratis zum Helm dazu. Gute Idee?
Wo aber schließe ich diesen Helm oder einen anderen an? An mein Rad? Das habe ich doch mit einem großen Schloss gesichert. Und wenn ich den Helm am Rad lassen will oder muss, wird er zusammen mit dem Rad gesichert. Lasse ich überhaupt meinen Helm am Rad? Bei kleinen Abwesenheiten wird der mitgenommen. Da passen wie in ein Körbchen alle wichtigen Sachen rein: das Handy, die Zigaretten, das Feuerzeug, der Geldbeutel, die Tempos, die Brille…
Das kleine KED-Schloss macht keinen Sinn für den Helm, wohl aber für das Bike selber. Das Teil ist kelinund leicht und passt in jede Tasche. Bei kürzeren Aufenthalten (im Bikeladen beim Paul, Pinkelpause im Wald…) kann man so schnell das Rad irgendwo festmachen. Wer hat schon im Wald eine scharfe zange dabei, höchstens eine Kettensäge… Vorsicht aber beim Parken an Baumärkten! Wer sich mit Rädern auskennt und dein teures Bike mit diesem – zugegeben – dünnen Draht gesichert sieht, macht schnell kehrt, kauft im Baumarkt eine Zange für 10 Euro und das Rad ist weg…

Klare Sicht auf den Tacho
Wer das halbe Jahrhundert an Lebensjahren überschreitet, wird merken, wie sich ein Teil der Welt nicht mehr so richtig erschließen lässt. Er verschwindet in Unschärfe. Es ist die Welt der gedruckten Buchstaben und Zahlen. Kein Problem: Lesebrille, Designermodell oder für 3 Euro beim Kick. Für uns ältere Herrschaften auf dem Bike jedoch keine gute Lösung…
Nach Jahren auf dem Rad mit Lesebrille in der Satteltasche und wirklich leidiger Tachoblindheit habe ich endlich die Lösung gefunden: die Linsenfolie auf der Radbrille. Die Plastiklinsen werden einfach unten in die Brille geklebt. Da mir das freie Sichtfeld oben drüber zu klein wurde, habe ich die Linse fast um die Hälfte schmäler gemacht. Die anderen Hälften kleben jetzt in der zweiten Brille.

Fünfzehn Grad Minus
Wer jetzt aufs Mountainbike steigt, muss sich vorbereiten. Beim Frühstück wird der Teewasserkocher angeworfen und die Handwärmer plumsen hinein. Temperatur auf kochend gestellt. Mit einer Gabel müssen die heißen und nun wabbeligen Plastikbeutel herausgeficht und abgetrocknet werden. Sie finden ihren Platz ganz vorne in den dicken Fäustlingen. Damit man sich die Finger nicht verbrennt in dieser Eiseskälte, müssen noch Baumwollhandschuhe angezogen werden. Dann kann es losgehen. Nach 15 Minuten darf der Daumen mal rüber in die andere Abteilung, die haben nämlich besser geheizt. Wenn geschaltet werden muss, heißt es: schnell wieder an den Platz! Nach 40 Minuten verlieren die Wärmekissen langsam an Energie und werden hart und knubbelig: Die Handschuhe klemmen jetzt ziemlich unbeweglich zwischen Griff und Bremse. Den Berg runter durch den Lebacher Wald steigt die Temperatur bestimmt auf 20 Grad. Das Ziel ist gleich erreicht… Während ich mich im Flur langsam entblättere und aus diversen Schichten herauspelle, merke ich, wie es mir auf die Schuhe tropft. Schwitze ich so? Es tropft immer heftiger. Ja klar, deshalb haben eben auch einige Leute so komisch geschaut: Der Schnurrbart und die kleine Fortsetzung am Kinn sind total vereist. Habe ich gar nicht bemerkt. Inzwischen hat sich schon eine kleine Pfütze auf dem Boden angesammelt. Mit dem Taschentuch bereite ich der Schmelzerei ein Ende. Glaube ich… Als ich den ersten dienstlichen Tätigkeiten nachkomme (Hausaufgaben kontrollieren), tropft es einem Schüler noch ins Heft…

Radwegebenutzungspflicht
Sie ist 1997 modifiziert worden. Radfahrer müssen seit dem 1. Oktober 1998 nur noch Radwege benutzen, wenn die jeweilige Fahrtrichtung mit Zeichen 237 (Radfahrer), 240 (Gemeinsamer Fuß- und Radweg) oder 241 (Getrennter Rad- und Fußweg) gekennzeichnet ist. Andere rechte Radwege dürfen sie benutzen.
Die Benutzung unzumutbarer Radwege wird auch in Zukunft nicht verlangt. In Betracht kommen die verschiedensten Umstände. Fehlende (zu geringe, scharfkantige) Bordsteinabsenkungen, Schlaglöcher, Längsrillen im Pflaster oder Asphalt, hochstehende oder tiefliegende Gullydeckel, Überwucherungen durch Gebüsch oder Brennesseln, Verwerfungen des Belages durch Wurzeln, Glasscherben, Schneedecken im Winter etc. machen Wege für jedes Rad unpassierbar.
Zugeparkte, mit Hindernissen aller Art (z.B. Mülltonnen) verstellte oder (z.B. zu Marktzeiten) „überlaufene“ Wege sind nicht benutzungspflichtig. Ein Ausweichen auf die Fahrbahn ist in solchen Fällen zulässig.
Aber auch für das konkret benutzte Rad kann der Weg unpassierbar sein: Der bauliche Zustand wird bei Rennrädern mit ihren schmalen Reifen eher relevant als bei Hollandrädern mit Ballonreifen, schmale Radwege sind mit Anhänger unpassierbar, eng verschwenkte mit einem Tandem. Auch in diesen Fällen gibt es keine Radwegebenutzungspflicht.
Auch mit einer bestimmten Zuladung kann es zu einer Einschränkung der Benutzungspflicht kommen. Wenn man z.B. gerade Einkaufen war und empfindliche Sachen transportiert, ob nun Eier oder vielleicht eine neue Festplatte für den Rechner, so kann sich ein Radweg aufgrund seiner Oberflächenbeschaffenheit als nicht benutzbar erweisen.
Für alle flotteren (Alltags-)Radfahrer gibt es noch eine frohe Botschaft: Ist der Zustand des Radweges so, daß er noch benutzt werden kann, aber zum Langsamfahren zwingt, besteht keine Benutzungspflicht. So verneint das OLG Köln (NZV 1994, 278) die Radwegebenutzungspflicht ausdrücklich nicht nur, wenn der Radweg sich in einem solch schlechten Zustand befindet, daß er gar nicht benutzt werden kann, sondern auch (schon) dann, wenn „das schnelle Befahren mit dem Rennrad nicht möglich war, der Weg aber bei reduzierter Geschwindigkeit“ hätte benutzt werden können. Der Radfahrer braucht sich danach nicht auf den Radweg verweisen zu lassen, wenn er schneller fahren will und kann, als der Radweg es zuläßt.
(Quelle: http://www.geocities.com/RainForest/Jungle/7671/index.html#top)

Das Bike für jeden Tag
Es sind (nur :-) 25 km am Tag. Die Hälfte des Weges führt durch Wald. Die andere Hälfte durch wenig befahrene Nebenstraßen (die aber gerade deshalb für einen Biker ziemlich gefährlich werden können!) Wer 260 Tage im Jahr bei jedem Wetter diese Strecke mit dem Bike zur Arbeit (in den Dienst) fährt, muss sein Fahrzeug entsprechend ausrüsten.
No Name-Alurahmen meines „Dienstrades“ ist ziemlich robust und pflegeleicht. Die Magurabremsen sind es ebenfalls und brauchen nicht oft eingestellt zu werden. Eine ganz wichtige Einrichtung für den Alltag ist die Lichtanlage am Rad. Nachdem alle üblichen Systeme wie Rollendynamo, Speichendynamo, auch die Akkulampen sich bei mir nicht durchsetzen konnten, bin ich beim Nabendynamo gelandet und seit Jahren mit ihm zufrieden. Besonders bei Schnee macht er eben keine Problme, er muss nicht aufgeladen werden, braucht kien besondere Wartung und gibt ausreichend Licht für die sowieso bekannten Wege. Ein Halogenscheinwerfer mit Refektionszone vorne und ein Diodenrücklicht hinten sind sogar straßenverkehrstauglich.
Da die handelsüblichen Schutzbleche alle hinten zu kurz geraten sind und ich eigentlich nicht mit verdreckter Kleidung ankommen will, tut ein Schutzblech mit selbst gebastelter Verlängerung einen guten Dienst.

Tiefgefroren biken (1)
Sechsuhrdreißig im Januar. Vor der Haustür warten 10 Grad Minus. Vorsichtig stapfe ich die noch an manchen Stelle nicht ganz eisfreie Treppe runter zur Garage. Mit den Eisenteilen unter den Schuhen rutscht es sich prächtig (aus). Das Tor schwingt auf, das Mountainbike wird rausgeholt. Die Luft in den Reifen kurz überprüft, funktioniert das Licht? Dann wird es etwas schwierig: mit einer dickverpackten Hand den Überhandschuh auf die andere zu bekommen. „Two in one“ heißt ein weiterer Versuch, der Kälte in den Fingern zu entgehen – mit Handschuhen von Wolfskin für Snowboarder. Eine halbe Stunde werden sie mich vorne warm halten, länger leider nicht, aber immerhin. Ein Problem ist eher, dass die beiden Handschuhe die Beweglichkeit stark einschränken, also so wenig wie möglich schalten und bremsen…
Im Ort sind noch ein paar Eisstreifen auf der Straße, aber im Dunkeln wirken sie nicht so gefährlich, fahren wir eben nebendran vorbei. Im Wald nach Lebach lässt sich der Weg dann gut fortsetzen – wenn man die großen Eisstellen kennt…
Dann kommt die Abfahrt den Hasenberg runter bis zur Hauptstraße: ein leichtes Frösteln in den Zehen und der Schnurrbart wird immer borstiger und dicker. Jetzt kann ich Eis lecken. Am meisten freue ich mich dann über die Begrüßung der Kollegen: „Na, ist es kalt heute?“ Oder: „Du bist doch heute nicht mit dem Rad da?“ Kann Mountainbiken im Winter schöner sein :-)

Die Heizung im Handschuh
Was tun, wenn einem schon nach wenigen Kilometern im Winter die Fingerspitzen erfrieren? Zwei paar Handschuhe? Drei Paar Handschuhe? Alles schon ausprobiert! Es hilft nichts (was vielleicht am Alter liegt).
Was hilft? Dicke Snowboardhandschuhe, Fäustlinge. Dort hinein kommen Taschenwärmer. (Erhältlich bei Tschibo)Sie hängen dann schwer und klumpig vorne in den Handschuhen, das Schalten macht Mühe – aber so bleiben die Finger eine Stunde lang warm. Die Thermokissen sollen bis zu 1000mal aufladbar sein.
Um halb sieben Uhr werden die zwei Teile in kochend heißes Wasser geworfen. Während der Mountainbiker frühstückt, laden sich die kleinen Päckchen mit Wärme auf und werden ganz weich. Mit einer Gabel (!) werden sie nach 10 Minuten auf dem heißen Wasser gefischt, abgetrocknet und in die Handschuhe gesteckt. Eine Stunde halten sie bestimmt warm. Das Schalten macht mit den dicken Handschuhen jedoch Probleme. Also nichts für heikle Strecken…

Rainman
Auch das ist Mountainbikeralltag im Winter: Es regnet, schon frühmorgens. Das erleichtert das Anfahren bekanntlich ganz erheblich! Morgens ist die Zeit wie immer knapp. Jetzt muss schnell überlegt werden: Was ziehe ich an? Regenshose von Gore ist klar. Regenjacke mit Kapuze ist auch klar. Mit den Schuhen ist es schon schwieriger. Bei leichterem Regen entscheide ich mich meist für wasserdichte Socken, dann werden die Schuhe schön durchweicht. Regnet es (voraussichtlich) stärker, kommen die Überschuhe über die Winterstiefel. Die Drüberzieherei ist etwas fummelig und damit lästig, umso mehr Spaß macht später das Ausziehen der nassen und verdreckten Überschuhe. Da kann man – wenn man es drauf anlegt – das traurigste Büro, Bad oder Lehrerzimmer verschönern. Ein bisschen Natur und Frische muss in solch stickigen Räumen ab und an mal sein.
Im Winter sind wasser- und winddichte Handschuhe ganz praktisch. Wenn sie denn noch dicht sind. Bei täglicher Nutzung sind bestimmte Stellen ganz schnell druchgescheuert und das Wasser sucht sich seinen Weg. Die beiden Zeigefinger sind besonders gefährdete Gesellen. Die sind so unruhig und werden schnell undicht.
Endlich im Warmen aus- und umgezogen, heißt es: ein Plätzchen zum Trocknen für die nassen Teile finden. Ein paar laufende Meter Heizung müssen schon zur Verfügung stehen. Inzwischen halte ich Abstand von den Klamotten der Kollegen und -innen. Da hab ich doch einmal in meinem Naturburschenunverstand meine nasse Jacke schön ordentlich auf einem Bügel an der normalen Garderobe aufgehängt – und eine Kollegin ihre Jacke etwas in die Nähe der meinigen. Die beiden bekamen Kontakt… Und die Jackenträgerin war dann doch etwas ungehalten über den Regenjackenträger, der seine nasse zu den unschuldigen trockenen gehängt hat…

Die Brille tropft
Eine Radbrille (am liebsten Oakley, weil am stabilsten, beste Passform – aber teuer) wird immer angezogen, doch manchmal kann man sie wirklich nicht lange anbehalten. Nicht dass der angestrengte Schweiß aus der Jacke hoch auf die Brille gezogen wäre! Es war auch nicht der Angstschweiß, weil die Polizei mich anhalten und mahnen könnte wegen fehlender Reflektoren an den Laufrädern.
Es ist der verflixte Nebel oder auch ein Sprühregen, der morgens innerhalb weniger Minuten die Brille zusetzt. Jetzt ist es noch dunkler auf der Straße. Aber dann funkelt es plötzlich so schön, wenn ein Auto entgegenkommt… Anfangs probiere ich mir zu helfen, indem ich die Brille ein bisschen runterschiebe, um drüber hinweg linsen zu können. Auch keine Lösung. So muss sie denn in die Tasche wandern – und die Fahrt wird mit zusammengekniffenen Augen fortgesetzt. Kein Wunder, dass sich da die Fältchen im Gesicht so schnell vermehren…

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