Glückliches Bahnrad-Gold Danke, Olympiagott!

Aug 03, 2012 0 Kommentare von

Danke, Olympiagott!

„Ich dachte: ‚Geil, Silber'“

Und plötzlich war es Gold: Die Teamsprinterinnen Miriam Welte und Kristina Vogel profitierten bei ihrem Triumph gleich zweimal von Fehlern der Konkurrenz. Erst patzte Großbritannien, dann leisteten sich im Finale die Chinesen einen Fehler. Das Rad-Duo konnte sein Glück kaum fassen.

Hamburg – Die Freude bei Kristina Vogel und Miriam Welte war riesig, gemeinsam bejubelten die deutschen Teamsprinterinnen ihre Silbermedaille im Innenraum des London Velopark. Sogar eine Ehrenrunde hatten sie schon gedreht.

Doch dann beugte sich eine Reporterin der BBC zu Vogel und Welte – und diese schlugen die Hände vor den Mund, konnten ihr Glück kaum fassen. Die schnelleren Chinesinnen waren wegen eines Wechselfehlers zurückgestuft worden, aus Silber wurde Gold, aus Freude wurde Fassungslosigkeit.

„Ich dachte: ‚Geil, Silber‘. Und dann sind meine Augen plötzlich ganz groß geworden. Der Olympiasieg ist für die Ewigkeit“, sagte Vogel, die den „Olympiagott“ auf ihrer Seite sah. Welte freute sich „wahnsinnig“ und sagte: „Ein Traum ist wahr geworden.“

Erst nach der Siegerehrung, mit der Goldmedaille um den Hals, schien beiden klar zu werden, wie viel Glück sie an diesem Abend gehabt hatten. Denn nicht nur im Finale, schon zuvor hatten Welte und Vogel von einem Fehler der Konkurrenz profitiert. Nur weil Großbritanniens Duo zurückgesetzt wurde, kamen die Deutschen ins Finale, statt ins Bronze-Rennen. Im Endlauf waren Welte und Vogel dann 0,179 Sekunden langsamer gewesen als die beiden Chinesinnen, doch wegen Verlassens der Bahn wurden Gong Jinjie und Guo Shuang zurückgesetzt auf Rang zwei. Besonders Guo, die den Fehler begangen hatte, war die Wut über die Entscheidung deutlich anzusehen.


Es folgte ein Gang der Chinesinnen zum Kampfgericht und Diskussionen – doch sie waren vergeblich. „Es hatte einen kleinen Beigeschmack. Das ist nicht der Weg, wie man gewinnen will. Aber die Regeln sind für alle da“, sagte Vogel. Vor allem für die 21-Jährige grenzt diese Saison an ein kleines Wunder.

Im März 2009 endete eine Trainingsfahrt für sie beinahe tödlich, ein Auto hatte ihr bei Tempo 60 die Vorfahrt genommen. Die Folgen: Ein Doppelter Bruch eines Brustwirbels, eine Knochen-Absprengung am Schlüsselbein, eine mehrfach gebrochene Hand sowie eine Kieferfraktur. Nur knapp entging Vogel einer Querschnittslähmung, sie wurde für zwei Tage in ein künstliches Koma versetzt.

Entgegen aller Prognosen kämpfte Vogel sich schon 14 Monate später zurück in die Weltspitze, feierte bei den Bahn-Weltmeisterschaften 2010 in Kopenhagen ihr Comeback. Es folgten Siege bei der Deutschen Meisterschaft und im Weltcup, gemeinsam mit Welte schaffte sie den bis zum heutigen Finalrennen heute größten Triumph: Den Gewinn bei der Weltmeisterschaft in Australien im April diesen Jahres. Und dann kam der 1. August 2012, Olympia-Gold. „So viel Glück hat man selten im Leben. Ein Podiumsplatz war verdient. Dass es Gold wurde, ist für die anderen schade, für uns gut“, sagte Bundestrainer Detlef Uibel.

Die deutsche Bahn-Bilanz wurde kurz darauf sogar noch verbessert: René Enders, Robert Förstemann und Maximilian Levy erkämpften sich Bronze. Obwohl Stefan Nimke kurz vor dem Wettkampf verletzt passen und durch Förstemann ersetzt werden musste, wurde Weltmeister Australien im kleinen Finale bezwungen. Gold ging unter dem Jubel von 6000 Zuschauern an Gastgeber Großbritannien mit dem Idol Sir Chris Hoy, der mit seiner fünften Goldmedaille zum erfolgreichsten Radsportler der Olympia-Geschichte avancierte.

In solchen Dimensionen denken Vogel und Welte noch lange nicht. Aber ein Anfang ist gemacht.

luk/sid/dpa

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